Traditioneller Tanz in der Schweiz

Nordwestschweizer_Volkstanzpraxis_b01_modifié-1Einen Kontrabass, eine Geige, ein Scheitholt und eine Tanzfläche – das ist alles, was das Schweizer Volk von Appenzell benötigt, um bis in die frühen Morgenstunden zu feiern und gute Laune zu versprühen. Der charmante Brauch der “Stubete”, versucht die Volksmusik und die traditionellen Brauchtümer der Schweiz zu erhalten. Beim „Stubete“ handelt es sich im Allgemeinen um einen Treff für Volksmusikanten, und viele Gastwirte stellen ihre Lokale regelmäßig für jene Zusammenkünfte bereit.

Im Laufe der 20er Jahre kam es hinsichtlich öffentlicher Tanzveranstaltungen zu einigen Veränderungen, denn in vielen ländlichen Gebieten der Zentralschweiz wurden sie Ende des 19. Jahrhundert nur an wenigen Tagen des Jahres erlaubt, meist bei der Fasnacht, auf Messen und Hochzeiten. Nach dem 2. Weltkrieg wurden sie allerdings zu einer der vielen verfügbaren Freizeitaktivitäten unter dem Einfluss der globalen Tanzstile wie Rock’n’Roll, Breakdance und Salsa. Traditionelle Tänze – insbesondere der Schottisch, Polka, Walzer, Mazurka, Foxtrott und Marsch-Fox – begannen zunehmend ein Gefühl von Heimat zu wachzurufen.

Meist ähneln sich die Volkstänze in der Schweiz denen in Österreich und Süddeutschland. Der Schottisch leitet sich vom Schottischen Walzer (Ecossaise) ab und ist ein Vorläufer des vor 1800 in Deutschland verbreiteten „Hopser“. Der Mazurka, der ursprünglich aus Polen stammte, ist in vielen Ländern unter anderem Namen bekannt; in der Schweiz heißt er „Mistträppeler“ oder „Masollke“.

Ein weiterer Volkstanz der Schweiz ist der Rheinländer, welcher der Polka ähnelt, und mit dem Schottisch und der Bayrisch-Polka verwandt ist. Der Ländlertanz oder Ländler (Landler) ist ein weiterer beliebter Tanz; ein heiterer und langsamer Paar- und Gruppentanz.

Seit 1930 versuchen Trachtenvereine (Vereine für traditionelle Kostüme) die Erhaltung der Volkstraditionen aufrechtzuerhalten. In den rund 170 Zentralschweizer Gemeinden gibt es momentan 94 dieser Vereinigungen, die ihre Tänze hauptsächlich bei Volksfesten, Vereinsfesten, traditionellen Veranstaltungen und am Urschweizer Trachtentag aufführen. Ein absolut einzigartiger Tanzstil ist der traditionelle „Bödälä“ (auch unter Beedälä bekannt; und im Kanton Schwyz als „Gäuerle“). Bei diesem Tanz stampfen die Tänzer, in einer ausdrucksstarken, rhythmischen Art und Weise ihre Füße auf den Boden. Die Klänge und Rhythmen, die sie erschaffen, wirken als rhythmische Unterstützung zur – meist live gespielten – traditionellen Volksmusik.